to blog oder not

„Warum denn?“ – lautete die Standardreaktion, wenn ich jemandem davon erzählte, dass ich mich mit dem Gedanken trage, eventuell einen Blog zu starten. Gute Frage. Schönes Thema.

Ich fang‘ einmal an, öffentlich zu denken.

Habe ich der Welt etwas mitzuteilen? Interessiert Menschen, was ich so mach‘ und tu‘ und denk‘ ? Über was für Themen will ich schreiben? Schreiben? Kann ich das? Wie öffentlich muss ich werden? Will ich meine Komfortzone verlassen?

Vielleicht. Vielleicht. Da fällt mir schon etwas ein. Huch. Vielleicht. Ziemlich… . Ja! sind die Antworten. Ich werde es auf alle Fälle nicht erfahren, wenn ich es nicht ausprobiere,  also einmal mehr: einfach.machen.

Aber etwas ausführlicher.

Ein Mensch in meinem Alter (mitteljungalt) steht mitunter recht ungläubig davor, wenn er realisiert, wie sehr sich andere Menschen in seinem Umfeld dem Anschein nach von den neuen Netzwerken abhängig machen. In meinem Fall spreche ich primär von jungen Menschen, nämlich meinen Schülerinnen und Schülern. Ja, ich bin Lehrerin. Ich unterrichte Deutsch und Französisch an einem Gymnasium. Ich treffe also viele junge Menschen. Die stellen sich die ersten beiden Fragen, ob sie der Welt etwas Wesentliches mitzuteilen haben und ob es jemanden interessiert, eher weniger, sie posten einfach. Die Frage nach dem Inhalt dessen, was sie so alles ins Netz stellen, will ich an dieser Stelle ausklammern, sie tun es aus ihrer Lebenswelt heraus und bekommen Rückmeldungen, auch aus ihrer Welt. Nichts anderes tue ich mit einem Blog ja auch.

Was sich unterscheidet, ist unsere Lebenswelt, nicht von dem her, was uns umgibt, sondern von dem her, dass ich einfach, weil ich etliche Jahre mehr erlebt habe, über einen anderen Stand an Erfahrungen verfüge und vermutlich etwas mehr darüber nachdenke, was diese Lebenswelt mit ihren anderen, für mich neuen Möglichkeiten und entsprechend anderen Bedingungen von mir erfordert oder sogar verlangt. Zum Beispiel der Aspekt der Öffentlichkeit. Als ich anfing, mich an die Gestaltung von Seiten zu machen, ging es irgendwann an das Impressum, eigentlich keine Überraschung. Aber als ich die Seite schrieb und es an die Kontaktdaten ging, zögerte ich doch. Vom Moment der Veröffentlichung an kann also jede Leserin/ jeder Leser nachvollziehen, wo ich wohne und wie ich zu erreichen bin. Ok, das geht auch über das Telefonbuch, aber das ist nicht so offensiv, mit einem Blog lade ich die Menschen ja ein, an ausgewählten Bereichen meines Lebens teilzuhaben. Das war vorher einem mir persönlich bekannten Kreis vorbehalten. Insofern wäre ich -spontan gefühlt- außerhalb meiner Komfortzone. Was steckt hinter meinem Unbehagen? Die Befürchtung, dass irgendwann einmal in meinem Garten steht, um zu gucken, wie er in der Realität aussieht? Wahrscheinlich etwas in dieser Richtung. Ist das zugleich aber nicht auch ein wirklich aberwitziger Gedanke, der der völligen Überschätzung der Bedeutung eines privaten Blogs geschuldet ist? Wie zumeist in solchen Fällen, liegt die Antwort wohl ungefähr in der Mitte. Meinen Schülerinnen und Schülern rate ich regelmäßig, überlegt vorzugehen hinsichtlich dessen, was sie posten und auch in welchem Kontext. Das gleiche gilt für mich und meine mediale Präsens. Aber ich käme nicht auf die Idee, von ihnen zu fordern, auf ihre (altersgemäße) Teilhabe am WWW und sozialen Netzwerken zu verzichten, da es hieße, auf einen nicht allzu geringen Teil der Welt, die uns umgibt, mitsamt ihren zahlreichen positiven Aspekten, zu verzichten. Das würde auch ich nicht wollen, wichtig ist allerdings, mitzudenken und abzuwägen. Je mehr sich aktiv und verantwortungsbewusst einbringen, desto sicherer und freundlicher wird auch dieser Teil unserer Lebenswelt.

Ein weiterer Aspekt, der mich beschäftigt hat, ist die Frage, warum ein Teil von mir offenbar Gefallen an dem Gedanken findet, seine Tätigkeiten, Ideen oder Überlegungen einer Öffentlichkeit zu präsentieren oder sogar Rückmeldungen zu bekommen. Habe alle Blogger eine latente Profilneurose? Habe ich ein gesteigertes Bedürfnis nach Anerkennung? Will ich zur Schau stellen, was ich alles Tolles mache?  Nein, haben sie nicht – habe ich nicht – will ich nicht. Zumindest nicht mehr, als im nicht-virtuellen Leben. Man würde den Kaninchenzüchter, der sein Tier auf einer Ausstellung präsentiert, einen Amateurtheaterspieler oder -musiker, der sich über den Applaus freut,  ja auch nicht in dieses Licht stellen. Klar ist in diesem Rahmen auch, dass es nicht um Professionalität und die „große“ Öffentlichkeit geht, sondern um eine kleine, persönliche Öffentlichkeit, die die Beiträge vielleicht interessiert. Ob dies so ist, steht jedem frei, selbst zu entscheiden. Und ja, ich freue mich über Likes auf meinem Instagrammaccount und hier wird es mir wohl nicht anders ergehen. Aber ich mache mein Selbstbild nicht von Likes oder Dislikes abhängig und ein bisschen Freude am Rande ist doch schön.

Hier also meine Antwort:

  • Weil ich zu jung für Kulturpessimismus bin 😉
  • Weil ich Lust auf Austausch habe.
  • Weil ich mich nicht vor Bereichen der Lebenswelt, die uns alle umgibt, verschließen möchte.
  • Weil mich das Format „Blog“ interessiert.
  • Weil ich die Möglichkeiten, die das Netz und seine Netzwerke bieten, grundsätzlich als positiv bewerte.
  • Weil ich mich nach jahrelanger passiver Teilhabe an Inhalten des WWW aktiv beteiligen möchte.
  • Weil ich neugierig bin und bleiben möchte.

Weiterdenken!

 

 

 

 

 

 

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